Alaska

Dass man die Grenze zwischen Kanada und Alaska überquert hat, merkt man am einfachsten daran, dass nahezu jedes Straßenschild durchlöchert ist. Ein Nationalsport scheint hier wohl das Straßenschildzielscheibenschießen zu sein.

Alaska ist landschaftlich wundervoll und wahnsinnig abwechslungsreich. Dabei ist die faszinierende Landschaft anders als in Banff und Co. nicht für den Volkswandertag aufbereitet, sondern liegt neben der Straße als wäre es das Normalste der Welt. Man fährt stundenlang vorbei an glasklaren Seen, schroffen Felsen und Gletschern und kommt aus dem Staunen nicht heraus. Wir hatten wundervolle Stellplätze hoch über spiegelnden Seen und mitten in Flussdeltas. 

Der Staat erlebte dieses Jahr den heißesten Sommer seit 30 Jahren, was für uns angenehme Sommerabende mit endloser Sonne bedeutete, aber vielerorts auch Waldbrände, von denen wir aber tatsächlich kaum etwas mitbekommen haben. 

Zwar gibt es auch sehr touristische Gegenden, aber wenn man in Alaska in einen Stau gerät, dann ist er mit großer Sicherheit bloß durch Cariboos verursacht. Die tollpatschigen Rentiere sehen nicht wahnsinnig viel, sodass es schon mal vorkommt, dass sie in Herden auf der Straße stehen ohne sich zu bewegen. 

Als wir uns Fairbanks näherten, mussten wir uns entscheiden, was der nördlichste Punkt unserer Reise sein würde. Der Arctic Circle war gesetzt, aber noch weiter zum Polarmeer? Eine von uns war erst dagegen, weil es insgesamt 1600 Kilometer Gravelroad zusätzlich bedeutet hätte und man nach der beschwerlichen Anreise die letzten Kilometer aufgrund der Ölrechte von BP nicht einmal im eigenen Auto, sondern im hochpreisigen Kleinbus hätte zurücklegen müssen. Außerdem hoch zu fahren, nur um oben gewesen zu sein, war wirklich ein schlechter Grund. Der anderen von uns befürchtete aber, die Reise sei nicht vollständig, wenn wir unsere Zehen nicht in beide Polarmeere halten würden. Nach langen Überlegungen haben wir uns dann entschieden, es zu machen, um es im Nachhinein nicht zu bereuen. Zum Glück! 

Bevor es aber losging haben wir uns entschieden, noch einen weiteren Luftfilter zu besorgen, da wir mit den vielen LKW, die die Ölfelder versorgen, mit viel Staub auf der Strecke rechneten. Als wir uns in der Reisevorbereitung noch in Deutschland für unser Auto entschieden, fiel die Wahl nicht zufällig auf einen Nissan. Nissan ist sowohl in Süd- als auch in Nordamerika verbreitet, sodass Ersatzteile kein allzu großes Problem sein sollten. Das ist grundsätzlich auch so, nur unseren Nissan Navara kennen sie hier nicht, weil der Amerikaner scheinbar nicht so auf Dieselmotoren steht wie die Deutschen. Der nächste passende Luftfilter wäre tatsächlich in Miami gewesen. Am Ende eines ganzen Tages in allen Autoschrauberläden Fairbanks‘ standen wir also mit unserem deutschen Luftfilter im Walmart und haben ihn mit geschätzt 200 verschiedenen Luftfiltern vergleichen, um einen annähernd passenden für den Abstecher zum Polarmeer zu kaufen. Wir haben ihn letztendlich nicht gebraucht und inzwischen einen exakt passenden aus Deutschland geliefert bekommen. Unsere abendliche Gebete umfassen nun aber auch die Bitte, dass der Turbolader auf der Reise nicht den Geist aufgibt. 

Nun aber zum Wesentlichen, der Reise zum Polarmeer. Der Dalton Highway ist noch nicht immer für private Fahrzeuge freigegeben und dient auch heute hauptsächlich der Versorgung der Ölfelder am Meer. Dementsprechend ist auch der Straßenzustand und die Infrastruktur unterwegs. Keinerlei Empfang, kein Laden, kein Haus und nur 2 Tankstellen. Dafür begleitet einen die gesamte Strecke die Ölpipeline, die vom Polarmeer bis an die Pazifikküste führt. Die Landschaft hingegen ist vielfältig. Sie wechselt von borealem Wald zu Gebirgen und unendlicher Weite in der Tundra. Sie ist zum Teil gekennzeichnet vom Permafrost. Wenn die Eisschicht schmilzt kippen Bäume und werden zum sogenannten drunken forrest. Deshalb werden die Unterkünfte der Ölarbeiter in Deadhorse am Polarmeer auch alle samt auf Stelzen gebaut, andernfalls stünden sie schnell schief. Auch halten es nicht viele Tierarten in den winterlichen Temperaturen hier aus, so machen vor allem Füchse und Moschusochsen die Gegend unsicher. 

Das beste Bild bisher hat uns aber ein Elch bereitet:

Nach hunderten von Kilometern in der Einsamkeit kamen wir irgendwann in Deadhorse an, der Versorgungsbasis der Ölfelder. Obwohl hier ca. 3000 Leute arbeiten, hat der Ort bis auf Maschinen und Bohreinrichtungen keinerlei Infrastruktur. Gone so far and still no bar! Tatsächlich gilt für die Arbeiter dort ein absolutes Alkoholverbot. Wer sich nicht dran hält, wird sofort gekündigt. 

Wir haben den nördlichsten Punkt der Reise dann tatsächlich mit den Füßen im Polarmeer gewürdigt, auch wenn noch Eisschollen drin geschwommen sind. 

Zufällig waren wir auch hier zum längsten Tag im Jahr, was hier aber auch nicht ganz so schwer ist. Für über 63 Tage geht die Sonne in Deadhorse nicht unter. Durch die ewige Helligkeit fällt es einem oft schwer den Tag zu beenden, wenn man eigentlich auch um Mitternacht noch eine Wanderung anfangen könnte.

Abschließend war Alaska neben dem Yukon vor allem wegen des Dalton Highway „the last frontier“, wie es auch schon die Nummernschilder versprechen. Zurück in der Zivilisation waren wir froh, nicht wie viele anderen zum Car GlassAlaskas zu müssen und auch den Ersatzreifen nicht gebraucht zu haben. 

Das Alaska Programm hat dann noch einen – leider wolkenverhangenen – Denali umfasst und die wunderschöne Kenai Halbinsel. Kaum aus Anchorage heraus, fährt man tolle Küstenstraßen und die Berge ragen neben einem in die Höhe. Hier haben wir eine Wanderung entlang eines Gletschers gemacht, die die Höhenmeter wirklich wert war. Oben angekommen konnten wir die geschlossene Gletscherdecke bis zum Horizont und die herausragenden Bergspitzen bewundern. 

PS: Derzeit sind wir auf der Suche nach einem passenden Ölfilter. 

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